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Anschluss statt Ausschluss

Wer in Deutschland keinen Internetanschluss hat, heißt -- so eine neue Wortschöpfung -- "Netzverweigerer". Die Bundesregierung will SeniorInnen, Frauen, Kindern und Behinderten helfen, Anschluss zu gewinnen. Auch Asylsuchende wollen ins Netz. Aber Förderprogramme gibt es bislang nicht. Das muss sich ändern.

Während Berlin mehr Mobiltelefone als EinwohnerInnen zählt, hatten 65% der Weltbevölkerung noch nie einen Telefonhörer in der Hand. Manhattan verfügt über mehr Internetanschlüsse als der afrikanische Kontinent. Erfordert die Menge elektronischer Informationen in den Industriemetropole längst eigene Managementtechniken, so bleibt sie für die erdrückende Mehrheit der Menschen ein kostbares Luxusgut: das Internet -- ein Medium der globalen gesellschaftlichen Elite.
Geht es nach mächtigen Institutionen wie den G8, der UNO und der US-amerikanischen Regierung, so soll sich dies unbedingt und schnell ändern: den "digital divide", die digitale Spaltung der Welt zu überwinden, steht heute auf der Agenda zahlreicher internationaler Gipfel und Konferenzen.

Seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts gilt auch in Deutschland: "Internet für alle!" -- wer noch drin ist, muss rein. Die Bundesregierung und die grossen Wirtschaftsverbände haben ehrgeizige Programme gestartet, um alle Bevölkerungsschichten, Altersgruppen und Berufszweige zu vernetzen. Mit einer Ausnahme. Gibt man in die Suchmaschinen der entsprechenden Websites "Forum Informationsgesellschaft", "Netzwerk Digitale Chancen" oder "Internet für alle" eine Abfrage nach "Asylbewerber" oder "Flüchtling" ein, so stimmen die Ergebnisse überein: "Für Ihre Anfrage konnten 0 Ergenbisse gefunden werden".

Die 430.000 Menschen, die in Deutschland Asyl beantragt haben, sind aus der Vernetzung ausgeschlossen. Damit erreicht der Kommunikationsstandard einer ganzen Bevölkerungsgruppe in Deutschland gerade den der ärmsten Entwicklungsländer des subsaharischen Afrika. In Heimen untergebracht, ohne Arbeitserlaubnis und Sozialhilfe, werden Asylsuchenden auf 1000 Personen etwa fünf Telefone und 0 Internetzugänge zur Verfügung gestellt. Der Erwerb elektronischer Geräte ist Asylsuchenden sogar direkt untersagt.

Wenn "Internet für alle" nicht "Internet für Deutsche" meinen soll, kann dies nicht so bleiben. Das Projekt access hat sich zum Ziel gesetzt, eine digitale Apartheid zu verhindern: Asylsuchende ans Netz.


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